Tipps und Wissenswertes rund um Ihre GesundheitPower durchs MittagsschläfchenGregor Usdrowski ist Leiter des Schlaflabors der Fachklinik Aukrug. Hier geht man dem Schlaf-Apnoe-Syndrom und anderen schlafbezogenen Störungen auf den Grund.Kiel/Aukrug - Was haben Albert Einstein, John F. Kennedy, Leonardo da Vinci und Konrad Adenauer gemeinsam? Sie alle waren Verfechter des guten alten Mittagsschläfchens. Und wer dies nun müde belächelt, der sollte selber mal eines halten.Denn Forscher der NASA, des deutschen Max-Planck- sowie
des Fraunhofer Institutes wissen schon lange: Powernapping, wie es inzwischen
Neudeutsch heißt, steigert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.
Eine Erkenntnis, die sich in Schleswig-Holstein nur langsam durchzusetzen
scheint. Wissenschaftliche Exprimente ergaben Steigerungen der Entscheidungsfähigkeit
(plus 50 Prozent), der Leistungsfähigkeit (35), der Produktivität
(25) und der Reaktionsfähigkeit (16). Außerdem waren die
Testpersonen kreativer und konnten sich besser konzentrieren, so dass
aufmerksamkeitsbedingte Fehler um 33 Prozent zurückgingen. Und
dennoch: Im Gegensatz zu den USA und Japan, wo Ruheräume für
Mitarbeiter längst zum Standard eines jeden Betriebes gehören,
ist der Mittagsschlaf bei uns noch immer verpönt. "Auch wenn
die Sache eigentlich sinnvoll ist: Man hat Angst vor der Außenwirkung",
vermutet Michael Görtz, Gebietsfilialleiter der Commerzbank Kiel.
Wie berechtigt diese Sorgen sind, zeigt das Beispiel der Stadtverwaltung
Vechta. Die deutschen Powernapping-Pioniere bieten ihren Mitarbeitern
seit sechs Jahren die Möglichkeit zur Mittagsruhe. Die Folge: eine
vom Klischee des ohnehin nicht gerade übereifrigen Beamten geprägte
Welle der Häme. "Bei uns kann von 12 bis 14 Uhr jeder selber
entscheiden, was er in seiner Mittagspause macht", so Stephan Beitz,
Pressesprecher der Stadtverwaltung Neumünster. "Aber gesonderte
Räumlichkeiten, um sich zurückziehen zu können, sind
nicht vorgesehen." Dabei gibt es heute, da mehr und mehr die geistige
Produktivität im Vordergrund steht, schlechte Nachrichten für
Workaholics: Durchschuften zahlt sich nicht aus. Im Gegenteil: Warum aber ist denn nun das Schläfchen über
Mittag so wertvoll? Gibt es wohlmöglich doch unerwünschte
Nebenwirkungen? Wie sieht eine ideale Mittagspause aus? "Es ist
wichtig, den zyklischen Verlauf der Leistungsfähigkeit unseres
Körpers und seiner Organsysteme zu beachten", so Usdrowski.
"Auf jede Phase der Aktivität muss also eine Phase der Erholung
erfolgen." Wichtig sei dabei, dass man von der Tagesroutine geistig
Abstand nähme: Durch autogenes Training, Erinnerung an den letzten
Urlaub oder eben einen Kurzschlaf. "Schläft man aber länger
als etwa 25 Minuten, gerät man in eine Tief- und Traumschlafphase."
Nach diesem so genannten REM-Schlaf fällt das Aufwachen schwer,
die gewünschte Erholung bleibt aus. Das führt zu einer Verschlechterung
der Gemütslage. "Besondere Vorsicht ist da bei Menschen mit
depressiven Störungen geboten", so Usdrowski. Das Phänomen
an sich kennt aber auch jeder, der sich am Wochenende länger als
gewohnt in den Laken lümmelt und sich so durch den in den Morgenstunden
vorherrschenden REM-Schlaf regelrecht müde schläft. Aus diesem
Grund ist ein 20-minütiger Mittagsschlaf erholsamer, als dieselbe
Zeit morgens länger im Bett zu bleiben. "Aber nicht jeder,
der mittags schläft, erholt sich", schränkt der 47-Jährige
Internist ein. Denn während für den Gesunden der Kurzschlaf
zu empfehlen ist, können sich Ein- oder Durchschlafstörungen
durch den verminderten Schlafdruck am Abend sogar noch verschlimmern.
"Einem ständigen Schlafbedürfnis am Tage sollte auch
nicht ohne weiteres nachgegeben werden, denn dieses kann Hinweis auf
eine ernstzunehmende Erkrankung wie das Schlaf-Apnoe-Syndrom oder andere
schlafbezogene Störungen sein, die in jedem Falle ärztlich
abgeklärt werden sollten." Wie sieht sie denn nun aus, die
ideale Mittagspause? "Man sollte sich seine Zeit einteilen: Etwas
(leichtes) Essen, danach ruhen und - um wieder in Gang zu kommen - einen
Spaziergang an der frischen Luft machen", empfiehlt Usdrowski.
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Fachklinik Aukrug der Deutschen Rentenversicherung Nord, 24613 Aukrug-Tönsheide, Tel.: (04873) 90 97-0